ALICE

von Tom Waits und Kathleen Brennan

Premiere: 08.02.2020 (Theater Lübeck, Großes Haus)

 

Regie: Malte C. Lachmann; Musikalische Leitung: Willy Daum; Choreographie: Tiago Manquinho; Bühne: Luisa Wandschneider; Kostüme: Tanja Liebermann; Dramaturgie: Anja Sackarendt; Regieassistenz: Catrin Mosler

Besetzung: Alice - Astrid Färber; Dodgson - Andreas Hutzel; Herzogin u.a. - Lilly Gropper; Königin u.a. - Susanne Höhne; Hutmacher u.a. - Will Workman; Haselmaus u.a. - Heiner Kock; Märzhase u.a. - Henning Sembritzki

Band: Willy Daum, Urs Benterbusch, Tobias Hain, Edgar Herzog, Peter Imig, Martina Tegtmeyer

Wer kennt es nicht - Lewis Carrolls phantastisch phantasievolles Kinderbuch "Alice im Wunderland"? Weniger bekannt dürfte die Geschichte von Charles Dodgson sein - so hieß Lewis Carroll nämlich eigentlich - der Mathematik in Oxford lehrte, stotterte und eine Liebe zu kleinen Mädchen hegte, über deren Ausmaß seine Zeitgenossen damals wie auch Literaturexpert*innen heute heftig diskutieren.

Tom Waits verwebt nun seine Geschichte mit seiner bekanntesten Romanfigur und stellt einen Zusammenhang zwischen den allseits bekannten (Alp-)Traumbildern und der Beziehung von Charles Dodgson und seiner angebeteten Alice Liddell her. Dabei handelt es sich allerdings natürlich nicht um eine trockene psychopathologische Abhandlung, sondern um ein Waits-typisches, wundervoll düsteres Werk mit rauen Songs voller Poesie, Uneindeutigkeiten und den der Vorlage von Lewis Carroll eigenen Surrealismen.

In Lübeck werden wir mit diesem Material die Frage nach der Identitätsfindung stellen: Alice kann nur dem ‚Wunderland‘ entfliehen, wenn sie sagen kann, wer sie ist. Gleichzeitig versteckt sich Dodgson in allen möglichen Alter Egos und möchte sich – im Gegensatz zu Alice, die um eine Antwort auf das „Wer bist du?“ ringt – nicht auf eine Identität festlegen lassen. Er ist sowohl Charles Dodgson als auch Lewis Carroll, ist das weiße Kaninchen, ist schwarzer und weißer Ritter, ist Vergewaltiger und unschuldiger, kleiner Junge.

Schon lange steht die Trias der musikalischen Theaterstücke von Tom Waits („Black Rider“, „Woyzeck“ und eben „Alice“) auf meiner Inszenierungs-Wunschliste und ich freue mich sehr, gerade in Lübeck mit der Abarbeitung an diesen Materialien beginnen zu können, wo sich „Alice“ passend in meine letzten musikalisch-szenischen Arbeiten „Spamalot“ und „Die Dreigroschenoper“ einreiht.