GHETTO

von Joshua Sobol

Premiere: 06.11.2020 (Theater Lübeck, Kammerspiele)

 

Regie: Malte C. Lachmann; Musikalische Leitung: Willy Daum; Bühne: Ramona Rauchbach; Kostüme: Tanja Liebermann; Puppenbau und Coaching: Judith Mähler; Dramaturgie: Anja Sackarendt

Nichts ist vergleichbar mit dem Schrecken des Holocaust. Und nichts scheint so unvorstellbar, wie die Lebensverhältnisse, unter denen durch die Nationalsozialisten Verfolgte Leben mussten: So zum Beispiel die Bewohner*innen des jüdischen Ghetto von Vilnius – um diese Menschen und ihren Alltag dreht sich das 1984 geschrieben Werk Joshua Sobols: Wie war es möglich, unter den krassesten Umständen und in andauernder Todesangst zu (über-)leben? Die jüdische Selbstverwaltung hatte damals darauf ganz eigene antworten und ermöglichte es den im Ghetto eingepferchten Menschen sogar, ein eigenes Theater zu gründen, Stücke zu proben und zu spielen und Aufführungen zu besuchen. Ein äußerst umstrittenes Unterfangen: „Auf dem Friedhof spielt man kein Theater!“, so protestieren einige Figuren in Sobols Stück, das auf historischen Persönlichkeiten aus dem Wilnaer Ghetto und auf dem Tagebuch des Ghetto-Bibliothekars Herman Kruk basiert. Und nicht nur darauf: Die im Stück verwendeten Lieder stammen allesamt aus dem Wilnaer Ghetto, so zum Beispiel „Schtiler“ vom elfjährigen Alek Wolkowiski, der das Chorwerk für einem eigens eingerichteten Kompositionswettbewerb schafft:

 

Zol der kval zich ruhig flissn,

Schtiler zai un hof!

Mit der freiheit kumt der tate,

Schlof zshe kind main, schlof...

 

Mit „Ghetto“ setze ich meine Reihe von szenisch-musikalischen Inszenierungen am Theater Lübeck fort, wenn auch diesmal mit einer ganz anderen Art von Material als „Die Dreigroschenoper“, „Alice“ oder „Monty Python's Spamalot“. Diesmal werden mein Team und ich uns mit der Frage auseinandersetzen: „Wie interagiert man mit Menschen, deren Gesinnung die maximale Opposition zur eigenen Position darstellen?“ Ein leider allzu aktuelles Thema...